Der kleine Schneemann...

Es war einmal ein kleiner Schneemann. Der fühlte sich nicht nur alleine, nein, er fand sich auch noch lange nicht vollständig. Alles was ihn in diesem Moment ausmachte, war ein kleiner weißer Kopf, ein runder Bauch und ein pummeliges Unterteil. Im Grunde war er nackt.

Doch wie sollte er vollständig werden, wenn er doch gar nicht wusste, wie ein vollständiger Schneemann auszusehen hatte.

Sein Blick ging gen Himmel und ihm wurde beim Anblick der Zugvögel bewusst, dass er nicht mehr viel Zeit hatte, dafür zu sorgen, ein anständiges Aussehen zu erhalten. Er hatte die Wahl: Sich verstecken und darauf warten, dass der Winter vorüberzog, oder sich aufmachen in die Welt und herausfinden, was ihm fehlte.

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Eine ganze Nacht und einen ganzen Tag saß er traurig unter einem Baum und haderte mit sich. Und gerade, als die Dämmerung hereinbrach kam ein Igel des Weges. Der schaute das kleine weiße Etwas an und meinte: 

„Dir fehlt eine Nase, zwei Augen und ein Mund. Pass auf, ich habe hier einen abgebrochenen Stachel, den steck ich Dir als Nase hinein. Dann gebe ich Dir von meinen Samenkörnern ab, die kannst Du als Augen benutzen.“

Zu guter Letzt nahm der Igel noch ein Stück von einer Kohle und malte dem kleinen Schneemann einen Mund. 

Jetzt bekam der Kleine Mut, bedankte sich sehr und beschloss sich auf den Weg zu machen und andere Schneemänner zu suchen, um herauszufinden, was er noch alles benötigte, um ein vollständiger Schneemann zu sein.

Tagelang lief er also umher, durch Wälder, Steppen, vorbei an Bächen und Flüssen. Leider traf er auf niemanden, der ihm hätte weiterhelfen können. An einer Hütte, am Rande eines kleinen Wäldchens blieb er stehen, um zu verschnaufen und die Nacht dort zu verbringen.

In der Frühe wurde er aus dem Schlaf gerissen. Kindergelächter umgab ihn. „Schaut mal, dem Schneemann fehlt ja noch ganz viel. Wir müssen schnell ein paar Sachen suchen, damit er sich vor seinen Kumpanen nicht blamiert.“

Erstaunt blickte er in die Runde, die plötzlich auseinandersauste. Nach und nach kamen sie zurück. Ein Mädchen hatte Nüsse, die sie ihm in den Bauch drückte. Ein Junge nahm seine Mütze vom Kopf und setzte sie ihm auf. Und noch ein anderes Mädel brachte einen alten Schal, den sie von der Mutter erbettelt hatte und legte diesen um seinen Hals.

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Da wurde es dem kleinen Schneemann sehr warm ums Herz. Beinahe kullerte eine Träne aus seinen kleinen Samenaugen, so sehr freute er sich. Mit einem Mal vernahm er eine tiefe Stimme. Die Kinder waren außer sich, und schnell stellte sich heraus, dass der Vater gekommen war, um das Werk zu betrachten.

„Da fehlt doch noch etwas“, bemerkte er ernst. Verschwand kurz und kam mit Reisig in den Händen zurück. Geschwind brach er aus den Ästen zwei Zweige heraus, und steckte sie dem Schneemann als Arme in den Körper hinein.

Jetzt, … jetzt fühlte er sich endlich, nach so langem Suchen, vollständig. Erfreut wedelte er mit den Ästen.

Und wisst Ihr was? Als der erste Schnee fiel, bauten die Kinder noch ganz viele andere Schneemänner und schmückten diese in der gleichen liebevollen Weise. Ehe sich der kleine Schneemann versah, hatte er eine richtig große Familie um sich und war von nun an nicht mehr alleine.