…zwischen Klarinette und Nudelsuppe…,

vor längerem beschäftigte mich ein Kommentar zu einem früheren Blog von mir. Er hat mich sehr gefreut und aber auch nachdenklich gemacht. Ich schrieb locker und frei von meinem Alltag, wobei mir nicht bewusst war, wie das nach außen hin wirken musste.

Der Kommentar:

Zitat:

„Wahnsinn. Hört sich nach einem schönen Leben an :-)“

Ich musste in der Tat viel über diesen Kommentar nachgrübeln, weil ich selbst das früher lange nicht so gesehen habe.

Vor vielen vielen Jahren, als ich selber noch grün hinter den Ohren war, lernte ich eine Frau kennen, die mir durch die Art, wie sie lebte, bis heute noch ein Beispiel ist.

Sie war gebeutelt von mehreren Schicksalsschlägen. Ich traf sie immer wieder auf dem Bahnhof, während ich selbst auf meine Bahn wartete. Oft unterhielten wir uns sehr intensiv, so dass ich ihr auch von den Sorgen erzählte, die ich als Mädchen damals halt so hatte. Daraufhin berichtete sie mir eine Episode ihres Lebens nach der anderen. Nachdem sie mir davon erzählt hatte, erschien mir damals die Strenge meines Vaters nur noch halb so schlimm, was sicherlich ihre Absicht war.

Dass das Leben, das ich heute lebe, von einigen als „schön“ bezeichnet wird, freut mich einerseits, weil es mir zeigt, dass sich die harte Arbeit dafür lohnt. Andererseits zeigt es mir aber auch, dass genau Das, niemand sieht. Dass es nämlich harte Arbeit ist, jeden Tag, diesen Zustand zu erhalten, den ich für mich erreicht habe.

Ich glaube, dass ich durch die Verluste, die ich erlebt habe, durch die unschönen Ereignisse, die nun mal passieren, durch Krankheit usw. gelernt habe, dass das Leben einfach zu kostbar ist, als es mit lamentieren, heulen, Aufregung und Wut zu verbringen. Ich bin einfach dankbar um jeden Tag, den ich mit meiner Familie genießen darf.

Ich versuche, wie die Frau damals, einfach in allem etwas Gutes zu sehen. Zugegebenermaßen, dass ist nicht immer einfach, aber sogar meinen Mann konnte ich über die Jahre hinweg davon überzeugen, dass es besser ist. Ich versuche meist positiv durchs Leben zu gehen und schaffe es auch immer wieder, andere, bei denen es grad mal nicht so gut läuft, mit zu reißen und unter Umständen Möglichkeiten auf zu decken, mit denen es vielleicht besser geht.

Es funktioniert, auch wenn es teilweise härteste Arbeit und Überwindung des inneren Schweinehundes bedeutet. Selbst aus den schlimmsten Situationen bin ich gestärkt hervorgetreten und stelle mir immer vor: was davon kann ich mitnehmen, weil es letztendlich gut für etwas war. Und sind wir doch mal ehrlich, es findet sich immer etwas Gutes, in allem, auch wenn es noch so schlimm und tragisch erscheint. …und wenn es nur die Tatsache ist, für jemanden da zu sein, ein offenes Ohr zu haben…

Und selbst, wenn es mir mal nicht so gut geht, es nicht so läuft, dann denke ich,
das Leben bremst mal wieder und sagt, „mach mal ne Pause“.

Darauf versuche ich dann zu hören, schnappe meine Familie und wir machen kurzerhand ein Entspannwochenende irgendwo, wo es uns gefällt. Sicher, im ersten Moment denke ich daran, was noch alles zu tun ist, aber wir haben die Erfahrung gemacht, dass eine Auszeit, gleich wie oft und intensiv, dafür sorgt, dass uns als Familie die Nähe erhalten bleibt und das, was zunächst so wichtig erschien, rückt ganz schnell in den Hintergrund.

Weil es genügt, es am Montag wieder zu tun...

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